• Nerven

    Seit Jahresbeginn 4 Tage gearbeitet, 2 Tage auf einer kleinen Reise, und ich bin schon wieder fix und fertig. Auch über Weihnachten und Silvester war ich nicht wirklich fit. Die Gliederschmerzen, Brennfüsse etc sind wieder eher schlimmer als besser. 

    Da kommen dann schon kurzfristig wieder die Gedanken hoch, die Avastin-therapie sein zu lassen….. 

    Und dann war ich gestern mal wieder beim Osteopathen, der mir interessantes erklärte: Er meinte, dass vom Avastin abgesehen auch eine Rolle spielen könnte, dass die Nerven im Rückenmark ständig versuchen, an die ehemaligen Nerven der entnommenen Organe zu “funken” und sind vollkommen irritiert, das keine “Rückmeldung” kommt. Somit muss sich das ganze System um- und auf die neue Situation einstellen. Einerseits sind es genau die Bereiche im Rückenmark, die für die Nervenstörungen in den Beinen und Füßen zuständig sind, zudem kostet das ganze enorm viel Energie, was somit auch zusätzlich die Erschöpfung erklärt. 
    Hmmm, es heisst also mal wieder Geduld, Geduld, Geduld.

  • 2018

    YEAH, ein neues Jahr beginnt!
    Und ich freue mich sehr darauf.

    2017 war doch ein ziemlich anstrengendes Jahr. 
    Vor einem Jahr wusste ich noch nicht so recht, was auf mich zukommt. Alles war in der Schwebe…..Was macht die Chemo, wird sie gleich anschlagen, was macht die Lunge, wie verkrafte ich die Chemo, was passiert mit meinem Körper, die bevorstehende Mega-OP, die ganze psychische Belastung, Verarbeitung der Vergangenheit….und so weiter.

     Das hat alles sehr viel Energie gekostet. 
    Aber ich bin glücklich über die Entwicklungen und auch sehr stolz auf mich!
    Wie ich ja schon Anfang Dezember geschrieben habe: ohne das alles wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.
    Sicher, auf manches könnte ich liebend gerne verzichten. Die Gliederschmerzen in Beinen und Füssen sind gerade wieder schlimmer geworden. Ich würde mich gerne mehr bewegen, joggen gehen, eislaufen, tanzen, skifahren…..das geht alles nicht wirklich. Und die mögliche Aussicht, dass das mindestens noch so lange geht, solange ich das Avastin bekomme, ist nicht gerade schön. Andererseits könnte es mir aber auch viel schlimmer gehen. Voll von Krebs, schlimmer Lunge, keine Aussicht auf Heilung etc. Insofern ist alles relativ und ich versuche mich an den positiven Dingen zu erfreuen und aufzubauen.
    Mit den “guten Vorsätzen für das neue Jahr” ist das ja so eine Sache. Einerseits kann man sich da gern mal total unter Druck setzen, andererseits finde ich es aber auch wichtig, sich sein Leben anzugucken und zu schauen, was gefällt mir daran, was nicht so, möchte ich etwas verändern oder nicht…...es kann so schnell alles vorbei sein….
    Ich würde gerne noch mehr “im Moment sein”, wirklich im Jetzt leben, und nicht im gestern oder morgen. Ich möchte am “Selbstliebe-thema” dranbleiben und weiterkommen. und ich habe das Gefühl, zum Thema Weiblichkeit gibt es noch einiges zu entdecken und zu entwickeln, das ist dieses Jahr dran!

    Ich habe letztens einen wunderbaren Satz gehört ( in einem Interview mit Michalis Pantelouris, der das tolle Buch “Liebe zukünftige Lieblingsfrau” geschrieben hat), der unter anderem mein Motto für das neue Jahr ist:
    “Ich bastel mir aus den Scherben meines Lebens eine Diskokugel und tanze darunter.”
    Auch wenn die Beine weh tun sollten, egal: yeah, yeah, yeah!!!

  • Weihnachten

    Letztens kam mir das Wort besinnlich unter. Besinnliche Festtage. Sagt man das heute noch, oder ist das ziemlich altmodisch geworden?
    “Zur Besinnung kommen” hört sich für mich eher erzieherisch an, so nach dem Motto:“jetzt reiss Dich zusammen und komm wieder zur Besinnung”, oder so…
    Aber wirklich wörtlich gemeint, macht die Redewendung schon Sinn. Das was wir in dem ganzen Trubel und vorweihnachtlichem Stress vergessen und wofür die Weihnachtstage (und auch die sogenannten Rauhnächte) eigentlich stehen: 
    Uns besinnen, “runterkommen”, nach innen schauen, in der Stille sein….geniessen!
    In diesem Sinne:

  • Inspiration

    Es gibt ja Menschen, die einen sehr inspirieren können.
    Einer dieser Menschen ist für mich Albert Espinosa. Ein faszinierendes Vorbild wenn es um Annahme, Mut, Optimismus, Sicht aufs Leben, Humor etc geht.
    Im Fernsehen lief gerade eine Serie (Club der roten Bänder), in der sozusagen sein Leben verfilmt wurde. 
    Mit 14 erkrankte er an Krebs, es wurden ihm im Laufe der darauffolgenden Jahre ein Bein amputiert, ein Lungenflügel und ein Stück seiner Leber entfernt.
    Die Ärzte gaben ihm eine 3%ige Überlebenschance und eigentlich war er nach 10 Jahren fast ständigem Krankenhausaufenthalt schon in einem Hospiz zum Sterben.
    Heute ist er 44 und lebt immer noch. In einem Interview sagte er zwar letztens, dass er wahrscheinlich nicht älter als 50 wird, da die ganzen Chemotherapien seinen Körper sehr angegriffen hätten, aber selbst das erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht. Er ist einfach wahnsinnig dankbar für jeden Tag, der ihm geschenkt wird.
    Wer sich vom inpirierenden Albert anstecken lassen möchte, u.a. hier:
    “Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt”
    “Die roten Geheimnisse”

  • Vor einem Jahr...

    Ich wollte gerade schreiben, heute vor einem Jahr fing alles an….

    Aber “angefangen” hatte es ja schon eine ganze Weile vorher.

    Aber am 1.12. war ich dann ins Krankenhaus gekommen….Lungenpunktion, Untersuchungen,....und das ganze nahm seinen Lauf.

    Was für ein Jahr. Das hätte ich genau vor einem Jahr auch noch nicht gedacht, was so alles auf mich zukommen sollte….

    Aber so schlimm einige Dinge waren, würde ich sagen, bin ich insgesamt sehr dankbar für das Jahr.

    Zuallererst natürlich, dass ich überhaupt am Leben geblieben bin.

    Für die vielen Menschen, die mir im Kleinen und ganz Großen geholfen haben und mir zur Seite standen.

    Die mir meine Konzepte von “ich-bin’s-nicht-wert” etc gnadenlos widerlegt haben.

    Und scheinbar musste ich tatsächlich noch einmal so krank werden, um endlich, endlich zu “mir zu finden”, ohne wenn und aber.

    Und darüber freue ich mich am allermeisten: ich bin zwar noch nicht bei 100%, aber ich merke, dass ich grosse Fortschritte im “mich-selber-lieben-und-annehmen-so-wie-ich-bin” gemacht habe. Ich kann das gar nicht so genau beschreiben, aber es ist so ein Gefühl von innen heraus, dass sich einfach wunderbar anfühlt und mich glücklich macht!

    Hört sich “danke Krebs” komisch an? Für viele wahrscheinlich schon, und ich weiss, es klingt abgedroschen, aber ich wäre ohne Krebs heute sicherlich nicht da wo ich bin….daher: Danke!

    Und auf jeden Fall: danke Leben!

  • Aussenwelt-Innenwelt

    Äusserlich bin ich wieder ganz “die alte”. Man sieht mir die Krankheit nicht mehr an, ich kann wieder arbeiten und bin so für meine Aussenwelt wohl wieder vollkommen wiederhergestellt, als wäre nichts gewesen. Selbst die Krankenkasse möchte einen detallierten Fragebogen von den Ärzten ausgefüllt haben, weshalb ich mich scheinbar immer noch immer wieder mal krankschreiben lasse.

    Und ich ertappe mich auch dabei, dass ich mich überfordere, weil es mir doch wieder gut geht und ich auch wieder die Dinge so tun möchte wie früher.

    Aber es ist nicht so wie früher. Mein Körper ist nicht wirklich gut belastbar. Füsse und Beine schmerzen immer noch. Im Moment wieder mehr. Ich weiss nicht, ob das von dem Avastin kommt, dass ich vorletzte Woche mal wieder bekommen habe, oder ob ich mich bei einem kleinen Ausflug übernommen habe.

    Lange Arbeitstage sind anstrengend und selbst Reisen, auch wenn ich viel sitze, stecke ich nicht so gut weg.

    Das Angestrengtsein wirkt sich dann natürlich auch auf die Verfassung insgesamt aus. Merke aber zum Glück recht schnell, wann ich “Schnappatmung bekomme” und es Zeit wird, mich zurückzunehmen.

    Und auch die Unsicherheit bzw Angst , dass der Krebs wiederkommt schwingt unterbewusst halt doch immer mit. Es ist jetzt nicht so, dass ich jeden Tag voller Angst daran denke (daher schreibe ich lieber Unsicherheit, als Angst), aber ich merke, wenn mir aus Versehen eine Überlebensstatistik über den Weg läuft, oder ich lese, wer von den anderen Krebsbloggern schon wieder gestorben ist, oder eine Untersuchung ansteht, dass mich das verunsichert, beschäftigt, nachdenklich macht, auch wenn ich tief in mir das Gefühl habe, das war’s, ich bin geheilt. Zumal ich mich ja, von den Nebenwirkungen und noch nicht wiederhergestellter Fitness abgesehen, wirklich gut fühle und sehr zuversichtlich bin!

  • Alles ist gut!

    Was hatte ich schon für Arzttermine, an denen ich mit den Tränen kämpfend oder schon vollkommen aufgelöst auf der Strasse stand, weil es eine Horrornachricht gab. Diese Momente kommen dann doch bei jedem Nachsorge-Termin hoch.....

    Aber heute gab es keinen Grund dafür, es sieht alles wunderbar aus!!!

    Yeah yippie yeah! Das Leben wird gefeiert!

  • Das Leben leben

    Ich versuche in letzter Zeit ganz bewusst Dinge zu tun, die ich entweder schon immer mal machen wollte und nie gemacht habe, (sowie ich ja nach dem Brustkrebs angefangen habe Eiskunstlauf und Swingtanzen zu lernen), oder zu gucken, was tut mir gut, was kann ich schönes für mich tun, oder einfach nur neugierig zu sein und mich bei gewissen Sachen überwinden, um das Leben offen und neugierig zu spüren….

    Ich war letztens zum Beispiel beim Kraftklub-Konzert ( die wollte ich schon lange mal sehen/hören/erleben). Und obwohl am nächsten Tag ein Mehrtages-Job losging und es sicher nicht die beste Vorbereitung dafür war, wollte ich da unbedingt hin…..

    Ich bin mitten rein in die Menge, bin gehüpft, gesprungen und hab getanzt was die Beine so hergaben, whooohoooo…. am nächsten Tag tat mir einfach a l l e s weh. Aber egal, das war es total wert, hatte sooo einen Spass gemacht!

    Dann hatte ich einen Job auf einer Kartbahn und wir hatten die Gelegenheit danach auch zu fahren. Hätte ich früher wohl abgelehnt, jetzt dachte ich mir, hey, einmalige Gelegenheit, mach mal was, was Du sonst nicht tun würdest. Also, drauf aufs Kart und losgefahren….ziemlich vorsichtig und klar war ich am langsamsten von allen, aber egal! Das Team hatte auch seinen Spass und wir lachten noch den ganzen Tag übers “Schneggi” auf der Kartbahn. Mir hat es auch Spass gemacht und ich habe mich gefreut, dass ich es gemacht hab!

    Jetzt geht auch bald die Eissaison wieder los. Ich hoffe, meine Beine und Füsse machen mit und ich kann zumindest hin und wieder mal trainieren gehen.

    Die Schmerzen insgesamt werden leider nicht besser. Aus dem Ruhezustand heraus ist es sehr unangenehm, wenn ich dann in Bewegung bin, wird es immer besser, bis dann irgendwann der Punkt erreicht ist, wo es zuviel wird und ich Pause brauche.

    Aber es ist immerhin nur so, dass es unangenehm ist und ich ohne Schmerztabletten auskomme, juchuuu!

    Und sonst versuche ich einfach mich an den kleinen Dingen zu erfreuen, bzw auch an den ganz grossen: eigentlich hasse ich den November, dieses grau, diese Kälte, diesen Regen...uuäääh……

    Und jetzt freu ich mich, dass ich’s erleben darf, dass ich z.B frühmorgens bei Niesel-Piesel in der U-bahn sitzen und zum Job fahren darf...fantastisch!!!! Und es ist ein wunderbares Gefühl, in grosser Dankbarkeit zu sein.

    Morgen ist mal wieder eine Nachsorge/Vorsorge-Untersuchung: Ultraschall der Brust (das soll ja wegen der Genmutation alle 6 Monate stattfinden)

    Ich würde mal sagen, 90% von mir sind sehr optimistisch, weil ich einfach das Gefühl habe, dass alles gut ist. Aber ein paar Prozent haben doch Scheissangst, dass etwas gefunden werden könnte...