Ernährung bei Krebs aus biochemischer Sicht


Ich hatte schon vor einiger Zeit mal über Ernährung unter dem Stichpunkt “Krebszellen lieben Zucker” geschrieben. Warum ist das so? Wie funktioniert eine gesunde Zelle, und wie eine Krebszelle?

Ich fand es damals schon interessant sowohl von Dr.Weber als auch von meinem Heilpraktiker erklärt zu bekommen, was passiert, wenn eine Normalzelle zur Krebszelle wird, und warum dann bestimmte Behandlungen Sinn machen

Dazu möchte ich aus “Hoffnung bei Krebs” von Dr.Weber zitieren, der das Ernährungsthema aus biochemischer Sicht erklärt:

“Bei der normalen Zelle haben wir die Zellatmung als Energiegewinnung: Da wird Zucker (Glukose) zusammen mit Sauerstoff in Energie umgewandelt. Diese Stoffwechselform findet in allen Körperzellen statt, außer in den Nervenzellen, in den Zellen in der Netzhaut, in den Erythrozyten und in den Hoden.

In diesen Organen haben wir primär eine Gärung, d.h. Umwandlung von Glukose in Milchsäure. Dies ist ein Stoffwechselweg, der zwar erheblich weniger Energieausbeute bringt, jedoch nicht störanfällig ist für Sauerstoffradikale (die so genannten Oxidantien, die dann durch Antioxidantien neutralisiert werden müssen, da sie ansonsten zur Alterung der Zellen erheblich beitragen).

Die Zellatmung findet in den Mitochondrien statt. Bei Krebs erfolgt eine Umwandlung der Energiegewinnung von der Zellatmung zur Gärung im Zellleib (= Zytoplasma).

Professor Otto Warburg hat in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts herausgefunden, dass alle Krebszellen gären. Er schreibt in seinem 1926 publizierten Buch “Über den Stoffwechsel der Tumoren”: “ Das Auftreten von Krebszellen ist immer mit vermehrter Gärung verbunden. Qualitativ und quantitativ ist der Gärungstoffwechsel der Karzinome nichts anderes als die Spaltungsphase (=Gärungsphase) des embryonalen Stoffwechsels, die in der Bilanz des Karzinomstoffwechsels erscheint, weil das Gleichgewicht zwischen Spaltungen (Gärungen) und Oxidation in der Karzinomzelle zugunsten der Spaltung verschoben ist.”

Ursache für die Verschiebung der Energiegewinnung in der Zelle ist eine Störung der Mitochondrien. Dies kann geschehen durch krebserzeugende Stoffe (so genannte Karzinogene), von denen es heute weit über 1000 gibt. Die Karzinogene sind mit wenigen Ausnahmen lipophil, d.h.fettöslich. Eine weitere Störung der Energiegewinnung in den Mitochondrien ist möglich durch ionisierende Strahlen und -wie oben mehrfach beschrieben - durch psychosomatischen Reiz.

Wenn die Mitochondrien und damit die Energiegewinnung gestört sind, müsste eigentlich die Zelle den programmierten Zelltod auslösen, die so genannte Apoptose. Dies ist nicht möglich, da die Programme zur Apoptoseauslösung in den (jetzt gestörten) Mitochondrien sind. Eine Zelle, die durch Störung der Mitochondrien auf den Gärungswechsel umgeschaltet hat, ist “unsterblich” geworden, da sie den programmierten Zelltod auslösen kann. Sie kann sich auch nicht weiter differenzieren, d.h. in spezialisierte Zellen umwandeln, da dieser Vorgang ebenfalls gestört ist. Die Krebszelle bleibt daher auf einer frühen Stufe der Entwicklung stehen, die Zelle wird sich teilen und wachsen, teilen und wachsen. Ihr Stoffwechsel ist jetzt der Stoffwechsel der Urzeit, nämlich die Gärung. Dies bringt zwar nur 1/16 an Energiegewinnung gegenüber der Zellatmung, macht jedoch die Zelle unempfindlich gegenüber den Angriff von Sauerstoffradikalen, wie dies bei der Bestrahlung Auftritt. Die Zelle wird außerdem unempfindlich gegenüber der Chemotherapie, deren Angriffspunkt In den meisten Fällen die DNS mit den Genen ist. Bei sportlicher Überlastung haben wir ebenfalls das Auftreten von Milchsäure, da der Muskel von Sauerstoffatmung auf Gärung umschaltet, wenn über die Lungenatmung das Blut nicht mehr genügend Sauerstoff in den Muskel transportieren konnte. Diese Art der Vergärung ist eine Notfallreaktion, ausgelöst durch Sauerstoffmangel, und der Muskel geht im Notfallprogramm quasi in die Vergärung und produziert Milchsäure. Wenn Sauerstoff wieder verfügbar ist, geht der Muskel sofort zurück in die Verbrennung, also in die Atmung. Bei der Krebszelle kommt es auch durch Anwesenheit von Sauerstoff nicht zu Rückbildung von der Gärung zur Zellatmung. Dies geschieht allerdings im Laborversuch bei einer Sauerstoffüberdruckbeatmung von etwa fünf Atü (=atmosphärischer Überdruck). Durch diese Überdruckbeatmung geht die Energiegewinnung wieder über in die Zellatmung, wodurch aus einer Krebszelle wieder eine Normalzelle (!) wird, allerdings nur so lange, wie die Überdruckbeatmung anhält. Dies ist nur im Laborversuch möglich, jedoch nicht beim lebenden Menschen.

Bei der Krebszelle ist das Umschalten von Zellatmung zur Gärung eine Überlebensstrategie bei geschädigten Mitochondrien. Durch die gebildete Milchsäure schützen sich die Krebszellen vor dem Angriff der Immunzellen: die Killerzellen sind nicht mehr in der Lage, diese Krebszellen zu attackieren. Der von der Zelle selbst gebildete “Milchsäureschutzmantel” schützt die Krebszelle vor dem Angriff des Immunsystems und kann deshalb nicht als fremd erkannt werden. Darüber hinaus ist die gebildete Milchsäure in der Lage, den Zell-Zell-Kontakt mit den Nachbarzellen zu lösen und so das umliegende Gewebe aufzulösen. Das nennt man Matrixdegradation, also Bindegewebs- und Gewebeauflösung. Außerdem ist die Milchsäure, die nach außen gegeben wird, quasi ein Signal, dass ein Sauerstoffmangel vorliegt und das jetzt eine stärkere Versorgung mit Blutgefäßen notwendig ist. Dann wachsen die Blutgefäße in Richtung Krebszellen und der Krebs findet Zugang zu Blutgefäßen, wodurch er schneller wachsen und sich ausbreiten kann. Die Milchsäureproduktion, die nach außen gegeben wird, ist ein sinnvoller Prozess, um die Blutgefäßversorgung wieder anzuregen, eigentlich nur für gesunde Zellen. Aber Krebszellen nutzen dieses Programm ebenfalls und verbreiten sich damit im Organismus und finden Zugang zu Blutgefäßen. Die Entstehung eines Krebs Tumor das ist schon ein Problem, aber die Ausbreitung, die ungehinderte Ausbreitung in die Umgebung und schließlich die Metastasierung sind in der Regel die Ursache für den Tod des Patienten. Medizinisch gesehen ist also der Übergang von einem Tumor in ein invasiv wachsendes Krebsgeschwür der alles entscheidende Punkt.

Der deutsche Forscher Doktor Johannes F. Coy hat 1995 das Gen entdeckt, dass bei Krebs die Umschaltung von der Zellatmung zur Gärung verursacht bzw. an diesem Vorgang beteiligt ist. Es ist das Transketolase1-Gen (TKTL1-Gen), Das wiederum das Transketolase1-Protein produziert, das als Enzym in diesen Stoffwechsel eingreift. Durch das TKTL1-Gen ist die Zelle sehr schnell in der Lage, auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren, z.B.bei Sauerstoffmangel oder Zellbelastung durch Radikalproduktion oder Belastung durch Umweltgifte.

Dann ist das TKTL1 Helfer in der Not für die gesunde Zelle. TKTL1 stellt laut Coy einen “Schutzmechanismus für Zellen dar, insbesondere, wenn diese unter Stress geraten. Mithilfe von TLTL1 kann eine Zelle ihr den Stoffwechsel umschalten und sich dadurch vor Radikalen und dem Zelltod schützen.” Für den Menschen ist das Einschalten des TKTL1 bei einer Krebserkrankung ein gefährlicher Moment, da es jetzt zu invasivem Wachstum und zu Metastasierung kommen kann.

Bis heute gibt es keine Medikamente die die Vergärung hemmen.

Darum bleibt einem Patienten nur übrig, auf Naturstoffe zurückzugreifen, die diese Vergärung unterdrücken können. Da gibt es eine ganze Reihe solcher Stoffe, insbesondere das gamma-Tocotrienol, die sogenannten Polyphenole ( z.B. Quercetin), Anthocyane oder das Kurkuma. Aus diesem Grund ist auch eine Ernährung, die reich an Salaten und Gemüse ist, sehr gesund und per se gärungshemmend.

Möglicherweise ist das DCA (Dichloracetat) eine Substanz, die die Gärung bei menschlichen Tumoren hemmt. Es ist zur Zeit Gegenstand der Forschung.

Klinisch konnte festgestellt werden, dass das Auftreten des TKTL1-Proteins mit einem schlechten Verlauf der Krebserkrankung korreliert. Dies wurde gefunden bei Blasenkrebs, Darmkrebs, Eierstockkrebs, bei Krebs des Gebärmutterhalses, Kehlkopfkrebs, Krebs im HNO-Bereich, Schilddrüsenkrebs, Nierenkarzinom und sogar bei Hirntumoren. Um zu beweisen, dass es sich hierbei nicht um ein Epiphänomen handelt, also nur um ein Begleitphänomen, sondern dass es sich um ein ursächliches Phänomen handelt, wurde das TKTL1-Gen blockiert, um die Bildung des TKTL1-Proteins zu verhindern.

Im Laborversuch konnte gezeigt werden, dass diese Hemmung des TKTL1-Gens mit der Veränderung des entsprechenden Proteins dramatische Effekte hat, nämlich das Tumorwachstum hemmt.”

Daraus ergeben sich für Dr. Weber seine ganz persönlichen Ernährungsempfehlungen:

“Da der Vergärungsstoffwechsel Glukose als Ausgangssubstrat benutzt, wird die Glukose eingeschränkt. Mein Ratschlag: Süßen mit Stevia oder Sukrin” (---> siehe mein Artikel “Zuckerersatz” unter “Food”), “um das starke Ansteigen von Insulin nach dem Essen zu vermeiden. Weglassen von Kuchen und Süßigkeiten. Erlaubt ist hochprozentige Schokolade (ab 70 %).

Bewegung nach dem Essen!

Der Vergärungsstoffwechsel wird durch gamma-Tocotrienol und die Gabe sekundärer Pflanzenstoffe (so genannte Polyphenole) wie zum Beispiel das Quercetin unterdrückt. Weitere nachgewiesener Hemmstoff der Vergärung ist Kurkuma.

Durch die Gabe von hoch ungesättigten Ölen (Leinöl, Hanföl, Walnussöl) kann in Kombination mit mittelkettigen Fettsäuren versucht werden, die Atmung in den Mitochondrien wieder zu aktivieren.

Die Gabe von besonders schwefelhaltigen Aminosäuren, besonders in Quark, führt dazu,diese Fette zu binden und bioverfügbar in den Körper zu transportieren, sodass sie auch sehr gut resorbiert werden können.”

Des weiteren schreibt Dr. Weber:

“Eine Ernährung, die den Aspekt der Umschaltung von Atmung auf Gärung in Krebszellen berücksichtigt, erscheint mir sinnvoll. Über den wirklichen Nutzen werden wir erst in einigen Jahren definitiv Bescheid wissen. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit diesem Thema ohne Fanatismus auseinander zu setzen.”